Papst rät zum Medien-Fasten
Meine erste Reaktion war die der verstörten Verwunderung. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr beginne ich jedoch Gefallen an der Idee zu finden: Aufruf zum Medien-Fasten.
Meine erste Reaktion war die der verstörten Verwunderung. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr beginne ich jedoch Gefallen an der Idee zu finden: Aufruf zum Medien-Fasten.
Auch die Bundesstelle für Politische Bildung (bpb) beschäftigt sich mit der Problematik rund um Computerspiele und so genannte "Killerspiele".
Die Diskussionen zum Verbot von bestimmten Computerspielen entflammt immer dann besonders, wenn Amokläufe und Gewalttaten die Menschen wieder von neuem schockieren. Dass es dabei aber nicht allein um ein generelles Verbot von diesen Computerspielen gehen kann, sondern dass eine Vielzahl von Faktoren mit der Thematik "Killerspiele" verwoben und verflochten sind, zeigt die Debatte "Verbotene Spiele" des bpb.
Empfehlenswert sind auch die Live - Chats, bzw. Transkripte vergangener Chats mit Vertretern aus Kunst, Wirtschaft, Politik usw. welche zu unterschiedlichen Themen rund um Computerspiele diskutieren (werden).
auch via education & media
Ich finde, eine einseitige Positionierung für - gegen ist bei der Komplexität dieses Themas nicht möglich. Die Bundesstelle für Politische Bildung geht hier den Weg der Aufklärung, was ich persönlich wichtig und richtig finde. Durch eine möglichst breite Darlegung der verschiedensten Einflussfaktoren und Zusammenhänge werden Erziehende, PädagogInnen... aufgefordert, sich eine Meinung zu bilden und bisherige Einstellungen zu reflektieren.
Dass Politik und Neue Medien eine Thematik mit Zukunft sind, haben wir bereits am Webmontag in Innsbruck gehört - nun gibt es zum Thema die Sommerwerkstatt der Grünen.
Schade, dass ich nicht teilnehmen kann, aber auch Urlaub muss mal sein - aber ich bin mir sicher, dass wir auf David Röthlers Blog die Nachlese dazu finden....;-)
Vom 30.8. bis 2.9. wird die Sommerakademie der Grünen Bildungswerkstatt in Niederösterreich stattfinden. Thema sind “alte” und “neue” Medien. So sind Alexander Wrabetz und Oscar Bronner aber auch Kathrin Stainer-Hämmerle und Birgit Winkel eingeladen. Die Letztgenannten werden über „Internet und politische Kommunikation“ berichten. David Röthler wird einen Workshop über partizipativen Journalismus halten.
Programm zum Download
Jetzt habe ich es auch endlich mal auf einen Webmontag hier in Innsbruck geschafft, auch weil ich meine "virtuelle Bekanntschaft" mal persönlich treffen konnte:
David Röthler war als Experte zum Thema: "Politik und Web 2.0 - Kann das Internet politisches Engagement fördern" eingeladen.
Anschließend wurde die Politikplattform Trupoli präsentiert, die “mehr Demokratie und transparente Politik ab Sommer 2007″ verspricht. Reden und Aussagen von Politiker/innen können hier kommentiert, verglichen und bewertet werden. In der anschließenden Diskussion mit der Nationalratsabgeordneten Karin Hakl stimmten alle überein, dass die Bedeutung von Online Kommunikationsplattformen steigen wird - jedoch der digitale Graben auch in diesem Bereich eine Hürde bleibt. Gerade in Tirol, wo die Versorgung mit Breitband Internet lange keine Selbstverständlichkeit war und Partizipation an Kommunikationsprozessen online keineswegs an der Tagesordnung stehen, stellt sich sicher die Frage, ob eine Kommunikationsplattform im Internet tatsächlich zu mehr politischer Partizipation führen wird oder ob hier nun 2 Hürden zu bewältigen sind: Die Politikverdrossenheit und die Medienkompetenz. Eine mobile Version scheint mir für schnelle und unkomplizierte Partizipation unerlässlich.
Wer in den letzten Monaten die Medienlandschaft in den USA beobachtet hat wird eine Entwicklung aufgefallen sein, die stark an die Anfänge des World Wide Web erinnert. Ende der 90iger Jahre begannen Fernsehstationen für ihre Produktionen Internetpräsenzen zu erstellen und diese in ihr Marketingkonzept zu integrieren. Plötzlich wurde es üblich, dass Adressen von Webpages über den Bildschirm flimmerten und so die Zuseher einluden, sich über das Internet intensiver mit einer Serie auseinander zu setzen. Dies war der Beginn dessen, was heute von Medientheoretikern wie Henry Jenkins als „Partizipationskultur“ beschrieben wird.
In den letzten Monaten wurde diese Internetpräsenz um eine „iTunes-Präsenz“ erweitert. Nahezu alle amerikanischen Fernsehstationen bieten ihre Eigenproduktionen inzwischen über iTunes zum kostengünstigen Download an und bewerben dies intensiv in ihren Sendungen. Dieser Download ist dabei nicht nur zeitverzögert als elektronische Alternative zum DVD-Release, sondern in einer Vielzahl von Fällen inzwischen parallel oder sogar im Vorfeld der eigentlichen Erstausstrahlung. Man bestellt bei iTunes einen sogenannten „Season-Pass“ und erhält die jeweils neueste Folge einer Serie in voller TV Auflösung vollautomatisch zum frühest möglichen Zeitpunkt auf Computer und iPod. Inzwischen werden über 200 Fernsehserien auf diese Weise über iTunes vertrieben.
Für die Benutzerin oder den Benutzer sind die Vorteile beträchtlich. Insbesondere entsteht eine vollkommene Orts- und Zeitunabhängigkeit im Fernsehkonsum. Wer einen amerikanischen iTunes Account besitzt ist immer am aktuellsten Stand, egal ob man sich bei der Arbeit im Büro, in der Antarktis auf Forschungsreise oder in der Karibik auf Urlaub befindet.
Für die Produktionsfirmen bedeutet diese Entwicklung gleichzeitig eine erhebliche Umstellung im Geschäftsmodell denn der Vertrieb über iTunes muss ohne Werbeschaltungen auskommen. Das iTunes Modell basiert dagegen auf dem „Most Repeatable Programming“ Konzept, das unter anderem Steven Johnson in seinem Buch „Everything Bad Is Good for You“ beschrieben hat. In diesem Ansatz ist es im Interesse der Produktionsfirma, Fernsehproduktionen so komplex zu gestalten, dass sie selbst nach vielfachen Betrachten immer noch mit neuen Eindrücken aufwarten können. Dadurch wird die Bedeutung der Erstaustrahlung durch die Downloadmöglichkeit nicht gemindert. Gleichzeitig wird es aber auch sinnvoller, Werbebotschaften anstelle in Programmpausen direkt in das Programm – etwa über Product Placement – einzubauen.
Bemerkenswerterweise erscheinen gerade jene Produktionen mit besonders hoher Komplexität oftmals zunächst als besonders seicht, da sich ihre Komplexität erst nach wiederholtem Konsum eröffnet. So basieren viele Reality Shows oder Daily Soaps auf dem Prinzip des „Most Repeatable Programming“.
Apple verfolgt mit iTunes eine ungeheuer elegante Geschäftsstrategie die einem wirtschaftlich interessierten Beobachter wie mir sprichwörtliche Tränen der Begeisterung in die Augen treibt. Um in den USA iTunes im vollen Umfang benutzen zu können benötigt man neben einem iPod auch Apple TV sowie ein iPhone und damit einen Handyvertrag mit AT&T sowie einen Email Account auf Yahoo. Keine andere Kombination ist möglich. Wer einen Handyvertrag oder einen Mp3 Player einer anderen Marke besitzt oder Email bei einem anderen Provider liest, hat Pech gehabt. Rund um iTunes baut sich somit ein monopolistisches Firmennetzwerk auf, welches in absehbarer Zeit den Medienkonsum zumindest in den USA vollständig kontrollieren könnte.
Was passieren wird, wenn Apple diese Strategie nach Europa überträgt, bleibt abzuwarten. Allerdings erscheint es auch für uns höchste Zeit, dass wir den Apfel auf dem Weg zur medialen Supermacht der Zukunft ernst nehmen.
