"Ohne Internet bitte, komme ich mir vor wie ein Analphabet!"Diese Bemerkung stammt keineswegs von einem user der jungen Generation, sondern von einer 82-jährigen Dame, welche im Rahmen meiner Diplomarbeit als Probandin an einer Gruppendiskussion teilgenommen hatte.
Wenn ich über das Thema meiner Diplomarbeit Auskunft gab, hörte ich Kommentare wie:" Ist das nicht langweilig?" (im Gegenteil) oder "Kann man darüber überhaupt so viel schreiben?" Und ob - meine ProbandInnen zeigten sich, allen Vorurteilen und hartnäckigen Altersbildern zum Trotz, humorvoll und sehr offen gegenüber einem Thema, welches in den nächsten Jahren auch für ältere Menschen immer mehr an Bedeutung gewinnen wird. Gerade das Internet kann helfen, ein eigenständiges Leben trotz abnehmender Mobilität und steigenden Alters führen zu können. Computer und Internet helfen, zeitliche und räumliche Distanz zu überwinden und können auf diese Weise die Alltagsorganisation Älterer erleichtern.
An diesem Punkt knüpft meine Diplomarbeit an. Meine Grundannahmen waren folgende: Das Internet stellt für ältere Menschen ab 60 in erster Linie ein Nutzmedium in Bezug auf die Alltagsorganisation dar. Es ist weniger das Alter als die fehlende Praxis und die eingeschränkten Zugangsmöglichkeiten, die ältere Menschen von der Nutzung des Internets abhalten. Ich hatte mir zur Aufgabe gestellt, grundsätzliche Voraussetzungen für seniorengerechte Internetnutzung zu erfassen, wie zum Beispiel: optimale Lernumgebung, barrierefreier Zugang, Unterstützungsangebote etc.
Die Arbeit gliedert sich in drei große Abschnitte. Im ersten Teil meiner Arbeit verweise ich auf die Bedeutung der neuen IKT für die Informationsgesellschaft im Allgemeinen und für die älteren Menschen im Besonderen. Sowohl die Anforderungen, die im Zuge dessen an die Älteren gestellt werden, als auch die erweiterten Handlungsspielräume, die sich daraus ergeben, werden beleuchtet.
Im zweiten Teil meiner Arbeit beziehe ich mich auf wissenschaftlich fundierte Alterstheorien, die dazu dienen, Sichtweisen und begründete Annahmen des ersten Teils zu untermauern: der demografische Wandel, welcher eine Veränderung der Altersstruktur der Bevölkerung nach sich zieht, somit eine differenzierte Auseinandersetzung mit der verlängerten Lebensphase Alter nötigt und andererseits die vorherrschenden Altersbilder, welche den Älteren den Einstieg in das neue Medium unter anderem erschweren.
Der empirische und letzte Teil meiner Arbeit stützt sich auf die ausgewerteten Daten von Gruppendiskussion und Einzelinterviews mit älteren Menschen im Alter von 60 bis 83 Jahren aus meinem Lebensumfeld Innsbruck.
Ziel der empirischen Untersuchung war es, Wünsche und Anregungen der Älteren bezüglich Internetnutzung, gewissermaßen die soziale(n) Wirklichkeit(en) im Umgang mit dem neuen Medium zu erfassen. Die ausgewerteten Daten können als Anregungen für in Angriff zu nehmende Projekte und begleitende Maßnahmen diesbezüglich dienen. Idealerweise tragen sie dazu bei, herrschende Vorannahmen und Sichtweisen hinsichtlich älterer Menschen und neue Medien zu revidieren, zumindest zu überdenken.
Diplomarbeit Ältere Menschen und Internetnutzung