Es ist soweit. Nachdem nun endlich ein Alter erreicht habe in dem man gesellschaftlich akzeptiert erste Anzeichen von skurrilen Verhalten zeigen darf, habe ich mich dazu entschlossen, meine Welt um eine portable Spielkonsole zu bereichern. Außerdem schimpfe ich mich Computerspielforscher und habe eigentlich so etwas wie eine wissenschaftsethische Verpflichtung zu spielen. Kann also nicht falsch sein – also hieß es gestern her mit einer „PSP“ und einigen Spielen.

Was dann folgte steht im wahrsten Sinn des Wortes im Lehrbuch. Nachdem ich einige Zeit mit einem Spiel verbracht hatte und der Meinung war es ganz gut durchschaut zu haben, borgte ich es meinem siebenjährigen Sohn. Er hatte das Spiel niemals zuvor gespielt. Dennoch mutierte er innerhalb kürzester Zeit zum Meister und ich zum Anfänger, und zwar zum blutigen. Bereits nach einer halben Stunde wurden mir Features erklärt, die nicht einmal in der Spielanleitung angeführt waren. Auf meine Frage wie er dies alles in der kurzen Zeit entdeckt hatte bekam ich nur einen mitleidigen Blick entgegen geworfen.

Man nimmt heute an, dass der Umgang mit Computerspielen strategisches Denken sinnvoll fördern kann. Kinder lernen sich in interaktiven Mediensystemen zu bewegen, forschend zu handeln und zielgerichtet effiziente Problemlösungen zu entwickeln. In dem Bestseller "Got Game: How the Gamer Generation Is Reshaping Business Forever" nahmen die Autoren Beck und Wade dieses Phänomen sogar zum Anlass, Firmen die Einstellung von computerspielaffinen JungmanagerInnen zu empfehlen. Es kommt bereits vor, dass man auf manchen Lebensläufen eine Liste der gespielten Computerspiele findet.

Ich selbst habe Strategiekompetenz mehrmals als immer wichtiger werdende Dimension einer partizipativen Medienlesekompetenz bezeichnet. Die sehr persönliche Erfahrung der Konsequenzen dieser Entwicklung war dann allerdings doch etwas überraschend für mich.