Auf „WEB for ALL“ findet sich eine einfache Freeware zum download (Farbkontrast-Analyzer 1.0) mit dem die Kombinationen von Vorder- und Hintergrundfarbe auf „farbliche Sichtbarkeit“ getestet werden können: „Der Farbkontrast-Analyzer ist ein Werkzeug, mit dem Kombinationen von Vorder- und Hintergrundfarben überprüft werden können, um festzustellen, ob die farbliche Sichtbarkeit bzw. die Lesbarkeit ausreichend gewährleistet ist“. Ein kurzer Test eben dieser Seite, bzw der Navigationsbar rechts zeigt das Ergebnis des Kontrastes zwischen der Schrift (Farbcode = #3883A0) und dem weißen Hintergrund (Farbcode = #FFFFFF).
Der unterste Helligkeitskontrast-Grenzwert liegt bei H = 125 Hexacode, erreicht werden zufriedenstellende H = 144. Der unterste Farbdifferenz-Grenzwert beträgt H = 500, erreicht werden H = 418, das heißt der Farbkontrast ist nicht ausreichen:

Analyse des Helligkeitskontrasts
Die Abbildung "Analyse des Farbkontrasts" zeigt, wie Menschen mit unterschiedlichen Formen von Farbfehlsichtigkeit den getesteten Bereich wahrnehmen. In diesem Falle ist die Kontrastierung ungenügend:

Analyse des Farbkontrasts
Bei der Verwendung von Farben in Softwareprodukten bzw. am Bildschirm spielen softwareergonomische Kriterien eine wichtige Rolle: „Grundsätzlich ist für die Textverarbeitung die Positivdarstellung mit dunklen Zeichen auf hellem Grund zu wählen. Farbmonitore belasten grundsätzlich stärker als die alten Graustufenmodelle. Farbiges Licht wird aufgrund der unterschiedlichen Wellenlänge in der Augenlinse verschieden stark gebrochen und daher als unterschiedlich weit entfernt wahrgenommen. Das Auge muss eine höhere Anpassungsarbeit (Akkommodation) leisten als bei einer Schwarzweiß- oder Graustufeneinstellung. Wenn viel Farbe auf dem Bildschirm zu sehen ist, unterscheidet sich das Helligkeitsniveau zwischen Monitor und Umgebung stärker. Das belastet das Auge zusätzlich. Durch Erweitern und Verengen muss sich die Pupille dem jeweils anvisierten Objekt anpassen und unterschiedliche Helligkeiten ausgleichen (Adaption).“ (Quelle: ERGO-ONLINE 2006)
Zur Vorgehensweise für eine farbergonomische Gestaltung empfiehlt etwa Schuhmacher ( (Quelle: Schuhmacher, Joachim Controlling 21, 2006) folgende grundsätzliche Vorgehensweise:

+ Wahl einer Dominanzfarbe.

+ Wahl der Kompensations- oder Konsonanzfarbe bei störenden Einwirkungen.

+ Berücksichtigung der Entfernungswirkung der Farben.

+ Auswahl der Komplementärfarben zur Kontrast- und Harmonieerzeugung festlegen.

+ Der gezielte Einbau einer gewissen Abwechslung der Farben gestaltet die Aufnahme für den Betrachter abwechslungsreicher.

+ Die Wahl der Kontrastprüfung muss auch eventuelle Sehschwächen der anvisierten Zielgruppen berücksichtigen.

+ Beachten von Farbkonventionen (vor allem aus der realen Welt).

+ Begriffliche Gestaltung und Layout gehen vor Farbanwendungen. Erst nach geeigneter Gruppierung der Daten soll Farbe eingesetzt werden (Bullinger, 1994, S.353).

+ Erarbeitung von Farbgestaltungsprinzipien.

+ Nicht mehr als drei bis fünf Farben verwenden.

+ Grundfaktoren wie Helligkeit und Kontrast dürfen durch Farbkombination nicht nachteilig beeinflusst werden.

+ Warme Farben hinter dem Text streiten sich mit dem Text um die Aufmerksamkeit des Lesers.

+ Übersättigte Farben (PC- bzw. Monitoreinstellung) wirken psychedelisch und ermüden den Betrachter.

+ Großer Kontrast zwischen Text (dunkel) und Hintergrund (hell) erleichtert das Lesen.

+ Kleiner blauer Text kann von älteren Menschen teilweise schlecht wahrgenommen werden.

+ Die Kombination von Farben, die im Wellenspektrum weit voneinander entfernt sind, führt zu Chromostereopsie, einem schäd-lichen 3D-Effekt (Rot/Blau, Grün/Lila, …). Kopfschmerzen können die Folge sein.

+ Große weiße Flächen sollten vermieden werden, sie wirken belastend für das Auge. Besser ist es, diese Flächen ganz dezent, hell, kalt und schwach gesättigt zu färben.

+ Die ausschließliche Verwendung von Pastelltönen belastet ebenfalls einseitig.

+ Ein ausreichender Kontrast zwischen Eingabe- und Hinweistext muss gegeben sein.

+ Wenn Farben Kodierfunktion haben (z.B. Kennzeichnung richtiger und falscher Antworten) sollen sie nicht ohne triftigen Grund gegen Verwendungskonventionen in der realen Welt verstoßen (z.B. Ampel-Metapher).

+ Farben sollten eher unterstützend eingesetzt werden. Gliederung und Orientierung dürfen nicht alleine durch farbliche Markierung realisiert sein, sondern müssen auch für Menschen erkennbar sein, die an Farbfehlsichtigkeit leiden.

Nächstes Mal ein paar Hinweise zur Harmonielehre...