Ein Jahr ist vergangen, seit ich begonnen habe, Portfolios mit den Kindergartenkindern zu gestalten. Die ersten Versuche und "Experimente" waren nicht immer einfach, aber ich habe viel dazugelernt.
Portfolioarbeit ist für mich eine Form des Digital Storytelling. Durch das Nachdenken über das eigene Tun und durch die erzählende Sichtweise von Seiten des Kindes werden Erlebnisse, Lernerfolge aber auch Herausforderungen reflexiv betrachtet, und dies fördert somit die ganzheitliche Entwicklung. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Person unterstützt ganz stark das Sebstbewusstsein und die eigene Einschätzung zur Leistung. Die lineare Darstellung einzelner Entwicklungsschritte lässt Vergleiche anstellen und Lernerfolge bewusster erleben.

In einigen Kindergärten werden Portfoliomappen erstellt, die dann gemeinsam mit den Kindern gefüllt und erweitert werden. Ich habe mich dazu entschlossen, die Portfolios in ppt - Dateien zu verpacken, so wie Helen Barrett ein ePortfolio ihrer Enkelin erstellt hat. Die ersten Portfolios bedeuteten für mich einen Orientierungsversuch, wobei ich immer noch auf der Suche nach der geeigneten Struktur und einer kindgerechten Aufbereitung der digitalen Artefakte bin. Tipps und Hinweise aus "Portfolio - Konzept für Kita und Kindergarten" habe ich für meine Zwecke adaptiert. Obwohl die Autorinnen mit Mappen arbeiten, meine ich, dass Portfoliomappen langsam veralten und von der digitalen Gestaltung abgelöst werden. Die Portfolioarbeit kann hier authentisch gestaltet werden - da Kinder im Vorschulalter meist noch nicht Lesen und Schreiben können, werden soweit als möglich Audiofiles eingefügt. So können die Kinder ihre persönliche Sichtweise besser einbringen und lernen dadurch, ihre Lern- aber auch Alltagsgeschichten zu reflektieren und sich damit auseinander zu setzen. Das ist nicht immer einfach - denn nicht alle Kinder lieben es, im Mittelpunkt zu stehen und frei zu sprechen. Deshalb ist es wichtig, immer die Freiwilligkeit zur Mitarbeit in den Vordergrund zu stellen, beziehungsweise alternative Darstellungsmöglichkeiten zu finden, zum Beispiel durch Malarbeiten.

Die Zukunft der Portfolioarbeit wird von geeigneten ePortfoliosoftware- oder onlineangeboten abhängen, die die Aktivitäten der Kinder unterstützen und soweit als möglich schon von den Kleinen verwendet werden kann. Hier gibt es allerdings noch wenig/keine Bestrebungen in diese Richtung.

Vom 3.-4. Dezember findet in Innsbruck die Tagung "Erzählen - medientheoretische Reflexionen im Zeitalter der Digitalisierung" statt. Der Beitrag von Diana Wieden-Bischof und mir "Digital Storytelling als Teil der Portfolioarbeit in der frühkindlichen (individuellen) Lernentwicklung" wurde angenommen. Wir freuen uns schon darauf, mehr über unsere Portfolioerfahrungen zu berichten.