Portfolios gehören zu den klassischen Instrumenten der Lehramtsstudenten um den persönliche Lernprozess kritisch reflektieren und dokumentieren zu können.

E-Portfolios sollen auch zum Reflektieren und Dokumentieren verwendet werden; wobei sie durch die technische Konstruktion eine Erleichterung darstellen sollen. Die Möglichkeit, die Inhalte mit anderen Benutzern zu vernetzen, bietet für den E-Portfolio Nutzer neue Chancen und Reflexionsräume.

Der Vernetzungsaspekt ist auch mit einer Gefahr verstrickt. Ich muss nämlich entscheiden inwiefern ich meine persönlichen Inhalte der breiten Öffentlichkeit preisgebe. Wenn ein solches E-Portfolio- System an unseren Universitäten eingesetzt werden würde oder auch bei Online- Bewerbungen zum Standartbewerbungsverfahren werden würde, dann stellt sich die Frage in wie weit man seine persönlichen Gedanken und Reflexionen veröffentlichen möchte.

Im Bezug auf die Universität ist in diesem Zusammenhang zu sagen, dass wenn das System von der Universität ausgeht, die Verwaltung bzw. die ZID-Dienste einen Einblick haben können, obwohl man vielleicht die Privatsphäre- Einstellungen sehr streng geregelt hat. In diesem Hinblick wird eine gut ausgebildete Medienkompetenz notwendig. Wenn ich mir darüber bewusst bin, welche Gefahren mit dem E-Portfolio verknüpft sind, kann ich es auch dementsprechend nutzen. Mit diesem Bewusstsein ist die Gefahr verbunden, dass man nicht mehr den eigentlichen Lernprozess mit seinen Hürden und Rückschlägen darstellen wird, sondern mehr Wert auf die Beschreibung und Reflexion von erfolgreichen Prozessen legt. Dies wäre jedoch nicht im Sinne eines E-Portfolios.

Im Hinblick auf die Online- Bewerbungen macht es für mich wenig Unterschied, ob ich meine Daten per Post oder über ein E-Portfolio schicke, da die Daten ja deckungsgleich wären.

Wie die oben genannten Ausführungen zeigen, bietet ein E-Portfolio viele verschiedene Einsatzmöglichkeiten und wäre nicht mehr nur auf die Lehramtsstudien bezogen. 

Das E-Portfolio wäre ein wichtiges Element für das Konzept des Lebenslangen Lernens. Aus diesem Grund gibt es verschiedene Pilotprojekte in den unterschiedlichsten Einsatzbereichen. So etwa in der Schule, an Universitäten, im Beruf (besonders im therapeutischen Berufsfeld), aber auch in Fort- bzw. Weiterbildungskursen.

Trotz der erwähnten Hürden bzw. Grenzen sehe ich das E-Portfolio als ein zukunftsweisendes Element, da es vielseitig einsetzbar ist. Ich würde es begrüßen, wenn ein solches System auch an der Universität Innsbruck Einzug erfahren würde; und dabei nicht nur auf Lehramtsstudien beschränkt bliebe, sondern alle Studiengänge mit einbeziehe. Ich finde es nämlich sehr wichtig, dass man sich über seine eigenen Stärken und Schwächen bewusst wird und diese auch kritisch betrachten und dokumentieren kann. Außerdem würde ein E-Portfolio die, von vieler geforderten, Medienkompetenz sichtbar und greifbarer machen.

Anna Thaler