Schule und Medien

Student for a Day im Lehrgang MedienSpielPädagogik

Am 2. November 2009 startet an der Donau-Universität Krems zum zweiten Mal der Masterstudiengang in MedienSpielPädagogik. Dieser berufsbegleitende Lehrgang für Lehrerinnen und Lehrer aller Schultypen beschäftigt sich mit den pädagogischen Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen, die digitale Spiele im Schulunterricht bieten.

Dabei wird auf unterschiedlichste Formen des spielbasierten Lernens und Lehrens - von den Methoden der Theaterpädagogik bis hin zur Entwicklung digitaler Lernspiele - eingegangen. Gleichzeitig erhalten die Studierenden ein praxisorientiertes Rüstzeug, um auch mit den Gefahren interaktiver Medienwelten in pädagogisch angemessener Weise umgehen zu können.

Am 14. Juli findet an der Donau-Universität Krems im Rahmen des derzeit laufenden Lehrgangs eine frei zugängliche Student for a Day Veranstaltung statt, bei der Interessenten und Interessentinnen der MedienSpielPädagogik an einem Workshop zum Thema Computerspielsucht teilnehmen können. Nähere Informationen zu Inhalt und Anmeldung finden sie unter www.donau-uni.ac.at/computerspielsucht.

Medienpädagogik - Allgemein

Medienpädagogik sinnlos!?

Über einen etwas launischen Artikel auf Stigma Videospiele ("Schock: Videospiele sind kommerziell!?") bin ich auf das selbsternannte Institut für Medienverantwortung gestoßen. Dort findet sich in einem Artikel mit dem Titel "Computer & Co halten ihre Bildungsversprechen nicht" ein Zitat, welches sich schnell zu meinem Lieblingszitat entwickeln dürfte:

"Als langjährig tätige Medienpädagogin kann ich bestätigen: Medienpädagogik mit Kindern führt nicht zu einer kritischeren Mediennutzung [...]."

Tja, was soll man da noch hinzufügen ...

Medienpädagogik - Allgemein

Risikofaktoren für schwere Gewalttaten an deutschen Schulen

An der TU Darmstadt wurde eine Studie zu Amok und schweren Gewalttaten an deutschen Schulen veröffentlicht. Die Ergebnisse zeigen nicht überraschend einmal mehr, dass Pädagoginnen und Pädagogen eine hohe Medienkompetenz besitzen müssen, um eventuelle Risikofaktoren auch erkennen zu können.
Medienpolitik

Die Ver-salesch-ung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

Den meisten Lesern und Leserinnen dieses Weblogs wird die Sendung "Richterin Salesch" ein Begriff sein. Wenn nicht, so sei hier nur kurz erwähnt, dass es sich um ein Nachmittagsformat eines privaten deutschen Fernsehsenders handelt in dem Gerichtsprozesse gezeigt werden. Dieses Format stammt aus den USA, wo in derartigen Sendungen auch tatsächlich echte Verfahren in einer auf die Bedürfnisse des Fernsehens adaptierten Weise durchgeführt werden ("People’s Court"). Ich gehe einmal davon aus, dass die europäische Rechtsordnung diese Form der rechtlichen Authentizität nicht erlauben würde. Jedenfalls sind in der deutschen Version alle Verfahren frei erfunden und von Schauspielern und Schauspielerinnen gespielt.

Das Bemerkenswerte in der deutschen Variante ist, dass die Beliebtheit der Sendung in keinster Weise mit ihrer inhaltlichen oder auch schauspielerischen Qualität in Zusammenhang zu stehen scheint. Zum Einen ist der Inhalt der Verfahren meist an allen möglichen Haaren herbei gezogen. Zum anderen ist die Qualität der schauspielerischen Leistungen, freundlich gesagt, in der Regel kaum vorhanden. Somit reduziert sich die Ziehkraft der Sendung auf das Element der Größe eines Skandals. Es geht eigentlich nicht mehr darum was passiert oder ob dies glaubhaft dargestellt wird, es geht nur mehr darum, dass etwas passiert, das unglaublicher ist als alles zuvor Passierte.

Nun muss ich an dieser Stelle klarstellen, dass dies eine durchaus legitime Form der Unterhaltung ist und ich nicht den Eindruck erwecken möchte, es handle sich hier um eine grundsätzlich negative Entwicklung, der man entgegen sollte. Ganz im Gegenteil. Die Freude am Skandal ist eine menschliche Eigenschaft die jedem Mann und jeder Frau innewohnt. Auch mir. Ohne es in irgend einer Form werten zu wollen, steht diese Sendung für mich aber stellvertretend für eine Entwicklung eines Teils der medialen Unterhaltungsformate, in der Form und Inhalt gegenüber dem Element des Skandals derartig weit in den Hintergrund treten, dass sie kaum bis gar nicht mehr vorhanden sind.

Ein Problem tritt für mich erst dann ein, wenn diese Ver-salesch-ung des Rundfunks von den Programmverantwortlichen an Stellen durchgeführt wird, in der Form und Inhalt einen nicht zu ersetzenden, zentralen Bestandteil des Sendeauftrags bilden. Dies ist insbesondere in den Informationsformaten der öffentlich rechtlichen Sender der Fall. Besonders auffällig wurde für mich diese Entwicklung in einer Sendung des WDR in der ein Zusammenhang zwischen Computerspielen und Amokläufen hergestellt werden sollte. Ich habe an anderer Stelle darüber ausführlich geschrieben.

In der Diskussionsrunde befand sich Prof. Christian Pfeiffer. Dieser ist dafür bekannt, dass er den Zusammenhang zwischen Gewalt und Medienkonsum in der Vergangenheit immer in sehr skandalisierender Form dargestellt hat. Als sich Christian Pfeiffer diesmal aber entgegen allen Erwartungen als wissenschaftlich nüchtern zeigte, schritt der Moderator lenkend ein und versuchte mit mehr oder weniger Erfolg, diese Skandalisierung bewusst herbei zuführen. Um es noch deutlicher zu sagen: es gibt meines Wissens im deutschen Sprachraum niemanden, der den Zusammenhang zwischen Computerspielkonsum und Gewalt radikaler sieht, als Pfeiffer. Ein Moderator oder eine Redaktion, die eine Diskussion über das Radikalisierungsniveau von Pfeiffer heben will, hat ganz eindeutig die Grundprinzipien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks verlassen und befindet sich auf marktorientiertem Autopilot.

Nun ist es sicherlich so, dass mich dieser Vorfall aufgrund meiner eigenen wissenschaftliche Tätigkeit besonders erregt und dies der eine Leser oder die andere Leserin vielleicht nicht so dramatisch sieht. Dennoch sollte man sich bewusst machen, dass hier zugunsten einer Skandalisierung eines Sachverhalts über das inhaltlich akzeptierbare Maß eine unbegründete Verunsicherung der Zuseherschaft bewusst in Kauf genommen wurde. Für die Medienpädagogik bedeutet diese Versaleschung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks eine Herausforderung, da damit natürlich die inhaltliche Validität aller öffentlich-rechtlichen Informationsangebote in zunehmendem Maße in Frage gestellt wird.

Soziales Kapital

Der twitternde Wolf

Auf dem Gebiet der sozialen Netzwerke war 2008 wohl das Jahr von Twitter, einem System welches es Nutzern und Nutzerinnen ermöglicht kurze, auf 140 Zeichen beschränkte, persönliche Statusupdates (so genannte "Tweets") zu veröffentlichen. Auf den ersten Blick wirkt diese Form des Micro-blogging als verhältnismäßig nutzlos und kindisch. Was hat man schon davon, wenn man weiß, dass eine ehemalige Arbeitskollegin gerade auf dem Weg ins Kino ist oder dass ein Schulkollege, den man seit Jahren nicht mehr persönlich getroffen hat, heute nicht schlafen konnte weil er gestern zu viel gegessen hat? Wenn ich daher im Rahmen von diversen Veranstaltungen Lehrern und Lehrerinnen davon erzähle, dass ich seit einige Monaten intensiv twittere, ernte ich zumeist Reaktionen zwischen neugieriger Verwunderung und einem gewissen Maß an freundlicher Fassungslosigkeit.

Was also macht die Faszination von Twitter aus? Die eigentliche Bedeutung dieses Systems liegt darin, dass man darüber sehr einfach so genanntes "bridging social capital" aufbauen und verwalten kann. Dieses von Robert D. Putnam in seinem 2000 erschienenen Buch "Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community" dargestellte soziologische Konzept beschreibt den Wert jenes persönlichen Netzwerkes, welches heterogene gesellschaftliche Gruppen zu überbrücken imstande ist. Wenn ich twittere, so erreiche ich mit meinen Tweets Personen, die ich anders in der Regel nicht auf einer derartig persönlichen Ebene erreichen könnte. In meinem Fall sind das insbesondere Kollegen und Kolleginnen die an anderen Universitäten arbeiten und forschen. Twitter ermöglicht es mir, mit Bekannten in LA und Boston in ähnlicher Weise zu interagieren wie ich es mit den Kollegen und Kolleginnen der eigenen Universität etwa während des Morgenkaffees mache.

Nun gibt es weite Bereiche der Gesellschaft, die kaum oder auch gar kein bridging social capital besitzen und darüber hinaus keine Notwendigkeit sehen, sich ein solches aufzubauen. Diesen Personen wird die Sinnhaftigkeit von Twitter auch weiterhin ein Rätsel bleiben. Im Gegensatz dazu gibt es aber immer größer werdende Bevölkerungsgruppen, deren persönliches oder auch berufliches Umfeld sich über die Verwaltung von bridging social capital definiert. Dazu gehören diverse medienaffine Jugendkulturen, aber zum Beispiel auch Professionalisten und Professionalistinnen aus dem Bereich der Massenmedien. Letztere insbesondere deshalb, da sie einen Beruf ausüben dessen Hauptziel es ist, heterogene gesellschaftliche Gruppen medial zu erreichen. In diesen Bereich fällt zum Beispiel Armin Wolf, beliebter Moderator der österreichschen Nachrichtensendung ZiB2.

Seit einigen Wochen twittert nun Armin Wolf überaus fleißig zu Themen, die sein direktes berufliches Umfeld betreffen. So erfährt man zum Beispiel, dass er sich gerade für ein Interview vorbereitet oder warum gewissen Experten in das Studio eingeladen werden und andere nicht. Armin Wolf geht aber noch zwei Schritte weiter. Zum einen benutzt er Twitter als den dem Fernsehen eigentlich fehlenden Rückkanal. Über Twitter werden im Vorfeld der Sendung mitunter mögliche Interviewfragen diskutiert. Auch das eine oder andere YouTube Video hat es über Vorschläge aus der Twittergemeinschaft bereits in die ZiB2 geschafft. Was mich persönlich allerdings besonders fasziniert sind seine Versuche, direkt aus der Sendung zu twittern. Denn auf diese Weise erhält der Zuseher oder die Zuseherin plötzlich die Möglichkeit mit Armin Wolf als Moderator der ZiB2 während der Sendung auf eine Weise zu interagieren als wäre er im selben Raum. Diese direkte Form der Medienpartizipation erzeugt eine ungemein starke emotionale Bindung an das Medienformat.

Der traditionellen ZiB2 Seherschaft, die in der Regel nur wenig mit partizipativen Medien und sozialen Netzwerksystemen anfangen kann und will, bleibt diese Parallelwelt großteils verborgen. Man sieht nicht, dass Armin Wolf twittert. Er macht damit seine Nachrichtensendung zu einem Format, welches sowohl in partizipativer als auch in rein nicht-partizipativer Form konsumiert werden kann. Diese konsequente Trennung ist ausgesprochen selten. Vergleichbare Ansätze wie sie etwa bei CNN zu finden sind vergessen meiner Meinung nach zu oft, dass es einen nicht unerheblichen Anteil an Sehern und Seherinnen gibt, der durch die kontinuierliche Aufforderung zur Partizipation eher gestört denn gebunden wird. Die aus welchen Gründen auch immer bedachte aber dennoch konsequente Herangehensweise des Armin Wolf empfinde ich daher als weit spannender. Man kann nur hoffen, dass im ORF die eigenen Innovationen auch als solche erkannt werden.

Medienpolitik

Neue Bilderstürmer?

Über Weihnachten hat der in Deutschland nicht enden wollende Streit über die kulturelle Bedeutung von Computerspielen und das Gefahrenpotential von virtuellen Gewaltdarstellungen in interaktiven Medien wieder einen neuen Höhepunkt erreicht. Einer der Ausgangspunkte ist eine Publikation "Kindheitskiller auf dem Gabentisch" sowie der dort propagierte Kölner Aufruf "Wie kommt der Krieg in die Köpfe – und in die Herzen?". Einige der dort gemachten Diffamierungen haben in der Tat bereits eine gewisse zivilrechtliche Relevanz und so ist es auch nicht verwunderlich, dass sich der Vorstand der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) in einem Kommentar "Neue Bilderstürmer?" in ungewöhnlich deutlicher Form davon distanziert hat. Es ist einigermaßen bedenklich, dass wir in einer Zeit leben, in der polemische Texte wie der Kölner Aufruf in der Öffentlichkeit als wissenschaftlich akzeptabel präsentiert werden. Dies ist nicht meine Meinung als "Komplize, Kollaborateur oder Profiteur der Killer-Industrie" sondern als jemand, der die Grundprinzipien der objektiven akademischen Diskussion als zentralen ethischen und unverzichtbaren Bestandteil unserer Wissenschaftskultur versteht.
Medienpolitik

Die Jugend und das Scheiß-Internet

In den letzten Tagen ist eine interessante Diskussion rund um eine Aussage des ORF Programmchefs Wolfgang Lorenz hochgekocht, in der er die Jugend pauschal beschuldigte sich ins Internet zu verkrümeln und sich nicht mehr für ernsthafte gesellschaftspolitische Fragen zu interessieren wie sie etwa im ORF thematisiert werden. Das Internet hätte seiner Ansicht nach keine gesellschaftliche Relevanz wie etwa das Fernsehen und es wäre ihm daher auch egal was dort passiert.

Wenn man öfters mit Medienmachern zu tun hat ist diese Einstellung leider sehr oft zu finden. Die Ahnungslosigkeit der "alten" Medien im Umgang mit "neuen" Medien ist mehr als bemerkenswert. Man erinnere sich nur an die bis zum heutigen Tag erfolglosen Versuche der Musikindustrie mit dem freien Informationsfluss in technologischen Netzwerken in geeigneter Weise umzugehen. Jeder Unterstufenschüler und jede Unterstufenschülerin scheint die Mechanismen partizipativer Medien heute besser zu verstehen als die hochbezahlten Medienmanager und -managerinnen. Und so ist es auch nicht verwunderlich, wenn es innerhalb weiter Bereiche der Jugend auch massive Einbrüche in der Nutzung des Fernsehens gibt. Das Ende einer Ära scheint eingeläutet.

Die natzaffine Jugendkultur nimmt die Aussagen von Wolfgang Lorenz wohl etwas verärgert aber dennoch gelassen und reagiert passend mit einer Twitter Bomb: scheissinternet.at

Gamebased Learning

Die spielende Schule

Am 28.11. veranstalten wir an der Donau-Universität Krems unter dem Titel "Die spielende Schule" einen Themenabend zum pädagogisch richtigen Einsatz von digitalen Spielen im Unterricht. Beginn ist 17:00, der Eintritt ist frei, es wird jedoch um Anmeldung gebeten. Im Rahmen der Veranstaltung werden wir auch die Ergebnisse des vom bm:ukk geförderten Projekts "Didaktische Szenarien des Digital Game Based Learning" vorstellen.

Nähere Informationen zur Veranstaltung sowie ein Formular zur Online-Anmeldung gibt es auf den Webseiten der Donau-Universität Krems.

Lernen mit Neuen Medien

Vier Leitsätze für die Schule des 21. Jahrhunderts

Ich habe auf bildungstechnologie.net einen etwas längeren Beitrag gepostet, der auch hier von Interessen sein sollte. Im Wesentlichen geht es um die Darstellung einiger Kosequenzen aus der Auseinandersetzung mit der medialen Partizipationskultur und dessen Konsequenzen für Schule und Unterricht.

Weiterlesen auf bildungstechnologie.net 

Gamebased Learning

Massively Educational Games

Beim letzte Woche im Berliner Technikmuseum statt gefundenen Social Learning Summit 2008 zeigte Mark Prensky ein kleines Video über die Implementierung eines Massively Educational Games im Algebraunterricht des New York City School Districts. Diese sehr amerikanische Form von Student Engagement wirkt für den europäischen Kulturgeschmack vielleicht etwas überhöht, das Video ist aber dennoch mehr als bemerkenswert. Wenn man bedenkt, dass dieses Spiel aus medienspieldidaktischer Sicht nicht wirklich optimal umgesetzt ist (die Lernziele haben kaum einen Zusammenhang mit den Spielzielen) wird erst bewusst welche Möglichkeiten in diesem Ansatz noch schlummern. Mehr zum Spiel gibt es auf den Webseiten von DimensionM.