Open Access

Manipulation des Index: Zensur als Behinderung von Forschung und Lehre

Aus gegebenen Anlass (Eilantrag des oberösterreichischen Landtags zur Forcierung von Internetsperren auf Bundesebene mit Stimmen der ÖVP, SPÖ und der Grünen) muss hier leider wieder einmal daran erinnert werden, daß Zensur immer ein, auch für Juristen verständlich ausgedrückt, absolut untaugliches Mittel ist.

Diejenigen, die es treffen soll, können es leicht umgehen, und die Allgemeinheit, so auch Presse, Kunst, Forscher, Lehrende und Studierende, leiden darunter. Hier ein kleines Meinungsbild zur Erbauung des geneigten Lesers:

Satiren, die der Zensor versteht, werden mit Recht verboten. —Karl Kraus, Fackel 309/310 40; Pro domo et mundo. 

(...)

So kämpften auch schon d'Alembert und Diderot, die Verfasser der französischen Enyclopédie mit der durch Kirche und Staat verordneten Zensur. Durch raffinierte Querverweise (so gab es z.B. von "Menschenfresser" einen Querverweis auf "Eucharistie") spielten sie mit der Dummheit der Zensoren und der Intelligenz ihrer Leser. 

Dieses Beispiel aus der "analogen" Geschichte zeigt, wie leicht schon ein Mensch als Zensor umgangen werden kann und wieviel leichter man dies bei einem technischen Gerät schafft, das gänzlich ohne Intelligenz eine Liste abarbeitet.

Ein Blick nach China, die mit viel mehr "Enthusiasmus" und Know-How - auch von Seiten der Sicherheitsdienste und Geheimpolizei - bei der Sache sind, zeigt, wie wenig der große chinesische Firewall nützt, wenn man beispielsweise Multimediadateien ins Ausland senden möchte (siehe jüngst die Aufstände in Tibet oder auch die Bilder vom Platz des Himmlischen Friedens).

Einzig Internetangebote, die auf einer bestimmten Seite bleiben wollen, wie beispielsweise Seiten einer Bürgerinitiative, eines Künstlers, anderer Privatpersonen oder einer Partei, werden "erwischt".

Überraschend ist auch, wie oft die Steuerfahndung von diesen Werkzeugen gegen Einzelpersonen Gebrauch macht, anstatt sie gegen Großkriminalität oder Kinderpornographie-Angebote in Stellung zu bringen.

(...)

 In diesem Zusammenhang stellen sich jetzt zwei grundsätzliche Fragen:

  1. "sed quis custodiet ipsos custodes?" ... und ich würde auch fragen, wer denn die Wächter zahlt, die die Wächter überwachen sollen, die die Wächter überwachen, die die Wächter überwachen (...) und ob eine offenen Gesellschaft nicht zumindest günstiger wäre, wenn man mit Grundrechtsargumenten nicht durchdringt. Auch die Quelle für dieses Zitat, Juvenals Satiren (Satirae, Satyrae, VI, 347f) spricht für sich.
  2. Dürfen Personen, und ich inkludiere Abgeordnete jetzt in diese Gruppe, die sich mit einem Thema nicht einmal grundlegend auskennen, trotzdem Entscheidungen treffen, die unsere Demokratie grundlegend verändern und Freiheiten, für die mehrere hundert Jahre gekämpft wurde, über die Hintertür de-facto aushebeln? 1959 warnte C.P. Snow bei seinem berühmten Vortrag "The Two Cultures" vor einem Zusammenbruch der Kommunikation zwischen Technik und Geisteswissenschaften und machte diesen Vorgang als Hemmnis für die Lösung gesellschaftlicher Probleme aus. Ich gehe noch weiter: In einer technisierten Welt gehört es zur Allgemeinbildung, ein grundlegendes Verständnis für die Technik und die Dynamik des Internet zu haben. So wie Sprachen sind heute auch Computersprachen und PC-Wissen die Grundlage, um unsere Geselslchaft angemessen verstehen zu können.

(Zusammengefasst aus: Gernot Hausar, Manipulation des Index, 2009. Veröffentlicht mit Erlaubnis des Autors.)

 


Wissensgesellschaft

Plagiatssuche als Geschäftsmodell ?!

Interessante Fragen werfen Klagen gegen Plagiatssuch-Software in den USA auf. Dort haben sich jüngst Studierende zusammengeschlossen, um einen Softwarehersteller zu klagen, der Ihrer Meinung nach ihr Urheberrecht verletzt.

Die Software speichert die Arbeiten der Studierenden in einem Archiv, um auch in Zukunft Plagiate auffinden zu können. Der Service ist kostenpflichtig, aber die Urheber werden für die Nutzung Ihrer Arbeit nicht entschädigt.

Interessant die Begründung des Gerichts bei der zweit-instanzlichen Entscheidung, die vielleicht noch berufen wird: die Nutzung der Arbeiten stelle "fair use" im Sinne des US Copyrights dar und daher sei die Klage der Studierenden abzuweisen.

Man darf gespannt bleiben, wie dies weitergeht. In jeden Fall sollte man bei seinen Arbeiten in Zukunft klar deklarieren, ob man eine Nutzung durch Plagiatssoftware erlaubt, oder dies explizit verbietet.

Dann wird die kommerzielle Nutzung der Werke von Einzelpersonen durch Firmen ohne finanzielle Abgeltung ein wenig schwerer... und wieso sollen Firmen etwas dürfen, wofür die Musikindustrie Ihre Kunden strafrechtlich verfolgt.

Wissensgesellschaft

Der Wert der Bildung und die Bildung von Werten (K.P. Liessmann, eLib)

Auf eLib gibt es eine kontroversielle Rede von Prof Konrad Paul Liessmann zum Thema Der Wert der Bildung und die Bildung von Werten.

 Er nimmt zu den Begriffen Bildung und Wissen Stellung und unterzieht Bildungsbegriffe und -institutionen einer kurzen, kritischen Prüfung.

 

Link zum Vortrag von Prof Liessmann auf eLib.

Open Access

Open Access Workshop Wien 04.10.08 - Emergenzen 7

Open Access - Vom Randphänomen zum Leitparadigma in Wissenschaftspolitik, Archivierungspraktiken und wissenschaftlicher Selbstrepräsentation.

Der Workshop findet am 4. Oktober 2008 an der Universität Wien statt. Link zur Konferenzinformation auf kakanien.ac.at.

 

Zeit: 4. Oktober, 2008
Ort: Universität Wien
Deadline: 10. September 2008
Konferenzsprachen: Deutsch / Englisch
Kontakt: redaktion@kakanien.ac.at

Open Access

Wem gehören Wissen und Information?

In einem Interview beschäftigt sich Prof. Dr. Rainer Kuhlen, Informationswissenschaftler an der Universität Konstanz, mit dem Problem der Wissensverknappung durch rechtliche und politische Schranken.

Dabei stehen auf der einen Seite die Wissenschaftsverlage, die mit Wissenschaftsinformation ein gutes Geschäft machen, auf der anderen Seite stehen die Wissenschaftler als Autoren, die kostenlos publizieren und sich dann über ihre Institutionen den Zugang zu den Journal-Datenbanken nicht mehr leisten können.

Tragischerweise ist die Politik, die ein ausbalancierendes Element sein könnte, nicht an einem Ausgleich zwischen wirtschaftlichen und allgemeinen Rechten interessiert und verschärft das Urheberrecht Hand in Hand mit der Industrie.

Open Access läßt sich vor diesem Hintergrund als Selbstverteidigungsreaktion der Wissenschaft verstehen, die von einem egalitären Austausch der Forschungsergebnisse und des Wissensstandes lebt.

Ein interessantes Interwiew.

Artikellink
Tagungen / Vorträge

MEDIDAPRIX 08 Finalisten stehen fest!

Die Finalisten des diesjährigen Medida-Prix stehen fest und können auf der Website des Medida-Prix im Detail betrachtet werden.

Besonders freue ich mich nicht nur, daß auch das eLibrary Projekt mit eLib 3.0 wieder dabei ist, sondern auch, daß das Projekt Skriptenforum, daß einzige andere Studierendenprojekt, ebenfalls aus Österreich kommt! Glückwunsch und "Way to go"!

Hier die Liste der Finalisten, die auch über die Medida-Prix Website abgerufen werden können.

1191 eFBS / Fallstudienkonzept des EASA-Projekts FET für begleitetes Selbststu-dium im interdisziplinären Einsatz

PH Nordwestschweiz PHNW (CH)
1193
Professoren-web.de

FOM FH für Oekonomie und Management (D)
1195
Digitale Medien im Fremdsprachenunterricht

Universität Hamburg (D)
1199
Cascaded Blended Mentoring in der Studieneingangsphase

Universität Wien (A)
1200
eLML – eLesson Markup Language

Universität Zürich (CH)
1202
NOP – Nachhaltigkeit im Organisch-chemischen Praktikum

Universität Regensburg (D)
1203
Interkulturelles Wirtschaftsplanspiel (InterCulture 2.0“)

Friedrich-Schiller-Universität Jena (D)
1207
Eine radiologische Fallsammlung mit interaktivem Charakter

Universitätsklinik Heidelberg (D)
1219
e-teaching.org

Institut für Wissensmedien (D)
1221
Netzwerk Bildungswissenschaften (NetBi)

Virtueller Campus Rheinland-Pfalz (D)
1222
Skriptenforum

Verein Skriptenforum (A)
1226
Integrierter eLearning Campus (InteLeC)

Universität Passau (D)
1229
MatheVital (visual interactive tools for advanced learning)

TU München (D)
1232
eLib 3.0 (eLibrary Project)

eLibrary Project (A)
1233
GITTA – Geographic Information Technology Training Alliance

Universität Zürich (CH)
1236
Docoloc – Ein Internetdienst zum Erkennen von Textplagiaten

Technische Universität Braunschweig (D)
1242
MUMIE

Technische Universität Berlin (D)
1252
Mediale Produktion (Medienkompetenz-Modul)

HAWK, Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Fachhochschule Hildesheim Holzminden Göttingen (D)
1266
BIOSYM – Learning Moduls for Systems Biology

Universität Zürich (CH)

 

Creative Commons

Lobbying gegen Fair Use und freie Lizenzen

Für die Vermittlung von Wissen benötigt man Unterlagen. Fair Use und offene Lizenzen helfen dabei enorm. In letzter Zeit wird aber laut William Patry still und heimlich versucht, über rechtliche Schranken eben diese Lizenzmodelle zu kippen. Dies schafft auch für Lehrende extreme Rechtsunsicherheit bei der Nutzung von (elektronischen) Lehrmaterialien und hindert sie daran, ihrer Aufgabe optimal nachzukommen.  

Zuerst vielleicht eine kleine Begriffsdefinition: 

Lobbyismus ist eine Form der Interessenvertretung in der Politik, in der Interessengruppen, die Lobbys, die Exekutive und Legislative oder die öffentliche Meinung über die Medien beeinflussen. (wikipedia.de)

William Patry, ehemaliger Rechtsprofessor und Ratgeber des US Register of Copyright  hat sich ein Leben lang mit Copyright beschäftigt. Im Moment arbeitet er als Rechtsberater für Google. In einem Artikel auf seinem Blog ortet er aktives Lobbying gegen Fair Use und Freie Lizenzen bei Regierungen und Ministerien auf der ganzen Welt.

Aber auch anderswo wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Der US Attorney General hat vollmundig verkündet, daß filesharing (nicht mehr oder weniger als ein netter Name für den elektronischen Informationsaustausch auf Dateibasis) - jetzt bitte festhalten - den internatinalen Terrorismus nützt. Wer hätte es gedacht... wenn zwei 14jährige Schülerinnen illegal Bilder ihrer Serienstars über Bittorrent, eine Filesharing Anwendung, austauschen unterstützen sie in Wirklichkeit Osama. Klingt ganz logisch.

Diese Tendenzen für die Kriminalisierung von Lehrenden und  Jugendlichen hat auch wesentliche Auswirkungen auf eLearning und verhindert eine sinnvolle Nutzung der vorhandenen Technologien, wie ein Blick nach Deutschland zeigt, wo strengere Urheberrechtsbestimmungen den Lehrbetrieb vor ganz neue Probleme stellen. Man muß aktiv aufklären, um diesen Tendenzen entgegenzuwirken.

 

Wissensgesellschaft

Web 2.0 erklärt in unter 5 Minuten - The web is us[ing] us...

Web 2.0 erklärt in unter 5 Minuten. Michael Welsch, Professor für Kulturelle Anthropologie an der Kansas State hat dieses Video als Diskussionsbeitrag bei YouTube ins Netz gestellt...

Ich habe das Video seinerzeit auch als Impuls für die Weiterentwicklung von eLib genutzt. Die YouTube-Antworten sind ebenfalls sehr interessant. Sehenswert.

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Information:

Licence: Creative Commons ShareAlike Attribution Non-Commercial

Music by Deus "There's nothing impossible" 

 


Online-Quellen

Volltexte für Forschung und Lehre

Aus  Anlaß des Semesterendes und den damit verbundenen hektischen Schreiben der Semesterarbeiten hier wieder mal einige gute Ressourcen für Volltexte. Alles Gute und ein schönes Semesterende !

Liste - Viele, viele, viele andere Projekte, die Volltexte, pdfs, Faksimiles etc anbieten, gibts auf der Liste, die auf eLib veröffentlicht wurde. Neue Projekte kann man gleich eintragen.

eLearning

Richard Baraniuk: Goodbye, textbooks; hello, open-source learning...

Eine gute Zusammenfassung zur Krise des traditionellen Lehrbetriebes und einen Weg heraus zeigt Professor Richard Baraniuk in seiner Präsentation. Sein Projekt Connexions ist schon über 7 Jahre alt und stellt modulare wissenschaftliche Inhalte für den Lehrbetrieb kostenfrei unter einer Creative Commons - Lizenz zur Verfügung - in mehreren Sprachen und nach einer Qualitätskontrolle durch Fachleute.

Da wir durch den Betrieb von eLib schon mit den Realitäten und kleinen Problemen bei der Bereitstellung von wissenschaftlichen Inhalten konfrontiert wurden, ist mir die Verbreitung der Ideen in dieser Rede besonders wichig. Denn manche Leute - auch in Entscheidungspositionen in Wirtschaft und der Weiterbildung - haben diese neuen Ideen und Prozesse noch nicht verinnerlicht und das macht eine Zusammenarbeit manchmal sehr schwer.

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