Globalisierung ist in aller Munde. Die Welt öffnet sich. Der Blick des Menschen fällt nun nicht mehr bloß auf seine nähere Umgebung, sondernauch auf globale Thematiken und Probleme. Er muss sich einer großen Anzahl vonMitbestreitern stellen. Da die Sicherheit auf dem Arbeitsmarkt, aber auch jeglicher sonstigen Beziehungen, nicht mehr als gewährleistet gilt, wird suggeriert, dass jeder selbst für seine Zukunft in der Verantwortung steht. Gefordert wird der flexible Mensch. Kein Mensch mit der stabilen Identität, sondern viel mehr ein Individuum mit der Möglichkeit, sich in den verschiedensten Kontexten zurechtzufinden undanzupassen. Also: ein Mensch mit „Teil-Identitäten“.

Das Individuum, die Gesellschaft und die Medien stehen untereinander in einer engen, wechselwirkenden Verbindung. Durch seine Werkzeuge versucht sich der Mensch seinem Umfeld bestmöglich anzupassen. Dasneue dominante Umfeld unserer Zeit heißt Globalisierung. Als eines der Werkzeuge,die in Anbetracht dieser neuen Herausforderung entstanden sind, können sicherlich die sozialen Werkzeuge des Web 2.0 gesehen werden. In dem dortgeschaffenen Raum, kann sich der Mensch langsam - durch die Schaffung einer Vielzahlvon „schwachen Beziehungen“(Granovetter, 1973) - an eine global vernetzte Welt gewöhnen. Der Mensch muss sich mehr und mehr auf diese sogenannten schwachen Beziehungen stützen, um andie wichtigen Informationen und Kontakte des Arbeitsmarktes zu gelangen, dievon starken Beziehungen nicht geleistet werden können. Der kleine Kreis von Personen, die bisher tragend für die Persönlichkeit waren tritt langsam in den Hintergrund.

Informationen stehen im Mittelpunkt in dieser Epoche der Globalisierung. Sie sollen, als Orientierungshilfe, die alten Weltbilder ersetzen. Doch dürfte sich dies so nicht bewerkstelligen lassen, da viele Probleme sich nicht einfach nur durch die Kenntnis vieler Informationen lösen lassen. Erst durch höhere Werte können, durch widersprüchliche Informationen auftretende Dilemmas, in einer bestmöglichen Weise gelöst werden.

Literatur

Ebersbach,Anja; Glaser, Markus; Heigl, Richard (2008): Social Web. UTB.

Granovetter,M. (1973): The Strength of Weak Ties, American Journal of Sociology 78

Renner, Karl-Heinz (2005): Internet und Persönlichkeit :differentiell-psychologische und diagnostische Aspekte der Internetnutzung.Göttingen; Seattle: Hogrefe.

Röll, Franz Josef (2008): „Zur Stärke von schwachenBeziehungen - Kommunikationskultur und Gemeinschaftsbildung als Ausdruck vonIdentitätssuche“. In: Ertelt, Jürgen (2008): Web 2.0 Jugend online alspädagogische Herausforderung Navigation durch die digitale Jugendkultur. München: kopaed. S. 119-137.