Der Begriff Infotainment stammt aus dem Englischen und ist eine Verschmelzung von „information“ und „entertainment“, was schon gleich zu Beginn die Frage aufwirft, ob diese Mischung von Information und Unterhaltung ein geeignetes Medium zur Wissensvermittlung darstellt.

Begonnen hat der Boom von Infotainment Mitte der achtziger Jahre mit der Einführung des dualen Systems, sprich, es hatten ab diesem Zeitpunkt auch private Unternehmen die Möglichkeit Fernsehprogramme zu senden. Der freie Markt ist somit auch für den Rundfunk geschaffen worden, was zur Folge hat, dass die öffentlich-rechtlichen Anstalten plötzlich einem Konkurrenzkampf ausgesetzt sind. Die privaten Anbieter finanzieren ihr Programm beinahe ausschließlich über Werbeschaltungen, das dazu führt, dass sich die Programmangebote fast ausschließlich an Einschaltquoten und somit einem vermeintlichen „Mehrheitsgeschmack“ orientieren müssen.

„Und so bewegen wir uns mit hohem Tempo in eine Informationsumwelt hinein, die man mit vollem Recht als trivial pursuit, als trivialer Zeitvertreib, bezeichnen kann.“ (Postman, 2003, S. 140)

Sind diese Inforationsangebote nun nur trivialer Zeitvertreib oder kann man nicht doch etwas lernen? Um dieser Frage nachzugehen, dienten die Ergebnisse von zwei Studien von Theunert und Schorb 1995, um den Umgang von 8- bis 13-jährigen und in der Folgestudie von 12- bis 17-jährigen mit dem Informationsangebot von Infotainment zu untersuchen.

Wie aus den Studien hervorgeht, wird Infotainment von einem Teil der Heranwachsenden als authentische Information gesehen. Laut den Ergebnissen dienen diese zur Orientierung bei der Identitätsentwicklung und der Ausbildung von Welt- und Menschenbildern. Ausschlaggebend für diese Medienaneignung ist das Informationsverständnis Heranwachsender, insbesondere für Kinder aber auch für Jugendliche aus bildungsfernen Schichten ist es schwierig, ohne entsprechend kritisches Feedback von Eltern und Freundeskreis zu solchen Informationen, um den Wahrheitsgehalt solcher Angebote zu hinterfragen.

Hierzu wären Konzepte gefragt, die Medienkompetenz von Heranwachsenden aber auch Erwachsenen, diese Inszenierungsformen analytisch zu hinterfragen und somit die Wahrnehmung der Rezipienten zu sensibilisieren.

Es soll nicht gewertet werden ob gut oder schlecht, ob Information, Unterhaltung oder beides (Infotainment) denn dies ist ein sehr subjektives Terrain, sondern der kritische reflektierte Umgang mit solchen Informationen sollte essentieller Bestandteil der Medienkompetenz darstellen.

 

Postman, Neil (2003): Wir amüsieren uns zu Tode. Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie. 16. Aufl. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag.