Schon 1997 wurde in Nordrhein - Westfalen eine Untersuchung zur Medienerziehung in Kindergarten durchgeführt. Ulrike Six und Roland Gimmler befassten sich in einer empirischen Studie mit der "Realität" der Medienerziehung in der Praxis. Damalige Ergebnisse waren nicht besonders zufrieden stellend und machten deutlich, dass im Bereich der Medienkompetenzförderung Handlungsbedarf bestünde.
Umso ernüchternder die nachfolgende Studie von 2006, die der Förderung von Medienkompetenz in vielen Kindergärten in Nordrhein – Westfalen auch heute kein besserer Zeugnis ausstellen kann.
Mit folgenden Fragestellungen befasste sich das Forscherteam:
"Inwieweit und wie haben sich curriculare Vorgaben, institutionelle Rahmenbedingungen und Inhalte der Erzieherinnenausbildung inzwischen verändert?
Haben sich die medienpädagogische Praxis im Kindergarten und die hierfür grundlegenden Kenntnisse, Einstellungen und Problemwahrnehmungen der Erzieherinnen bezüglich Medien, kindlicher Mediennutzung und Medienerziehung verändert?
Inwieweit wurden/werden Fortbildungsmaßnahmen von den Zielgruppen zur Kenntnis genommen und tatsächlich auch genutzt?
Ist Medienerziehung in den nordrhein-westfälischen Kindergärten inzwischen tatsächlich zum Standard geworden?
Welche Informations- und Praxismaterialien werden rezipiert und in welchem Umfang in der Praxis verwendet?"
Schon in der Ausbildung fehlen die Rahmenbedingungen, die eine entsprechende Förderung für medienpädagogische Qualifikationen begünstigen würden. Die folgende Feststellung aus der Zusammenfassung macht meiner Meinung nach deutlich, wo grundlegende Schwächen zu suchen sind:
"Nach wie vor mangelt es in der Ausbildung an der Erklärung einer nachvollziehbaren Logik zwischen medienpädagogisch relevanten Hintergrundinformationen, der Notwendigkeit von Medienerziehung, den Zielen der Medienerziehung und schließlich den konkreten Strategien und Umsetzungsmöglichkeiten."
Wenn Erziehende nicht wissen, wofür sie bestimmte Ziele, die ebenfalls nicht klar nachvollziehbar sind, überhaupt erreichen sollen, sinkt die Motivation, in diesem Bereich zu arbeiten. Ebenfalls findet keine persönliche Identifikation mit dem Thema statt.
"Auch ihre eigene Medienkompetenz – als Element der medienpädagogischen Kompetenz – schätzen sie nicht positiv ein, insbesondere für den Umgang mit Computer und Internet (mit Blick auf das Internet gaben sich immerhin fast 70% Noten zwischen 4 und 6)."
Die ErzieherInnen bewerten ihre eigene Medienkompetenz schlecht - zu erklären ist dies vielleicht im erweiterten Medienangebot und der rasanten technischen Entwicklung, der es sich zu stellen gilt. Besonders im Umgang mit Computer und Internet werden viele Erziehende sich als "wenig kompetent" bezeichnet haben, weil es hier einem hohen Maß an Interesse aber auch persönlichem Willen bedarf, um sich laufend Kenntnisse anzueignen und sich kindorientierte Angebote für die Praxis zu suchen, zu überlegen und diese auch umzusetzen.
Was die Vorstellungen und Ansichten zur Medienerziehung der ErzieherInnen betrifft, wird Medienerziehung zu den eher "weniger notwendigen" Förderbereichen gezählt. Die Befragten können den Begriff "Medienerziehung" nicht klar definieren und nicht genauer erklären:
"dass und warum Medienerziehung im Kindergarten notwendig ist, welche Ziele mit diesem Förderbereich zu verbinden sind und wie Medienerziehung ggf. auch ohne aufwendige Maßnahmen umzusetzen ist."
Ein Ergebnis, das meiner Meinung nach nicht allein für Nordrhein - Westfalen zutreffen wird. Auch in Österreich würde eine derartige Untersuchung nicht besser ausfallen - (nur gibt es diese Studie nicht).
Ich glaube, die Hauptprobleme der fehlenden Motivation zu einer Medienkompetenzförderung im Kindergartenbereich sind vielleicht hier zu suchen:
- in der Ausbildung, weil den angehenden KindergartenpädagogInnen nicht in entsprechender Weise die Notwendigkeit, sowie die Ziele der Medienkompetenzförderung vermittelt worden sind.
- am Interesse der KindergartenpädagogInnen, selbst mit Medien zu arbeiten - aus eigener Erfahrung weiß ich, dass manche ErzieherInnen am liebsten in jenen Bereichen arbeiten, die ihnen liegen - Wenn eine Kindergartenpädagogin nicht bereit ist, sich im Bereich der Medienarbeit zu engagieren, gibt es so gut wie keine Maßnahmen, die dies fordern.
- an vorherrschenden Rahmenbedingungen, die das Arbeiten in Kleingruppen beziehungsweise die Beschäftigung mit 2-3 Kindern beinahe unmöglich machen. Der Mangel an Personal ist dabei ein besonderes Problem, denn in einer Gruppe (ca. 19 Kinder) mit einer Kindergartenpädagogin müssen viele Bedürfnisse gleichzeitig wahrgenommen werden und Angebote mit einzelnen Kindern durchzuführen, treten hier in den Hintergrund.
- in einem verbindlichen pädagogischen Rahmenplan, der Medienerziehung in die Förderung der Gesamtentwicklung des Vorschulbereiches berücksichtigt und einschließt.